Ich will Sommer 4.0

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Vorwort

"Ich will Sommer 4.0" - so fing im Winter 2009 der PN Verkehr mit Peter an. Mein Porsche stand sicher in der Garage und das Wetter war winterlich mies. Erste Entzugserscheinungen machten sich breit. Endlich wieder Sommer, endlich wieder Porsche fahren.

Ein Ziel für die nächste große Sommertour war eigentlich schnell gefunden. Berge, Pässe, Kurven, keine vorher gebuchten Hotels, die Route nur grob festgelegt, jeden Tag so lange fahren, bis wir keine Lust mehr haben oder uns der Hunger zum Anhalten zwingt. Schweiz - Französische Alpen - Côte d'Azur - und zurück.


Tag 1

Am 31. Juli ging es los, erstmal in die Schweiz. Hier waren wir bei einer netten Internetbekannschaft eingeladen. Nicht, was ihr jetzt denkt - Jens habe ich im PFF kennengelernt, er hat uns im Frühjahr an der Nordschleife besucht und daraufhin Asyl für eine Nacht in der Schweiz angeboten. Die Story mit Jens Kumpel, seinem Lotus und der Nordschleife ist eine andere, aber nur so viel: 2 Tage Spaß, meine ersten Runden auf der Nordschleife als Beifahrer in einem Cayenne und ein brennender Lotus.

Da wir morgens zeitig losgefahren waren und eigentlich nur bis in die Nähe von Luzern fahren mussten, entschlossen wir uns mittags auf einem Rasthof im Schwarzwald, doch vorher schon mal ein paar Berge und Pässe zu fahren. Um 16 Uhr standen wir dann auch oben auf dem Gotthard, als mein Handy klingelte und Jens mich fragte, wo wir den seien und wie lange wir noch bräuchten. "Gotthard oben - ihr seid ja verrückt". Spontan trifft es besser. "Denk dran, wir sind heute Abend eingeladen, grillen, und heute ist der größte Feiertag der Schweiz". Also noch schnell über Nufenen und Furkapass wieder zurück Richtung Luzern. Wir wurden schon erwartet und es duftete nach frisch Gegrilltem. Abschluss des ersten Abends war das Feuerwerk, das wohl wider Erwarten nicht wegen uns, sondern wegen des Feiertags abgebrannt wurde.


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Tag 2

Der zweite Tag begann ganz entspannt mit einem leckeren Frühstück in der Sonne und dem Gefühl, endlich im Urlaub angekommen zu sein.

Nach dem Frühstück ging es los. Wieder Richtung Gotthard, über den Grimsel und den Furkapass, den wir gerne nochmal gefahren sind. Der Rest des Weges zu unserem Tagesziel zog sich, bei 35 Grad und 120 km/h auf Schweizer Autobahnen. Da kamen die letzen 50 Kilometer durch die Berge bis zum Ziel Chamonix-Mont-Blanc gerade recht.

Hier möchte ich jetzt einmal den Logis Hotelführer vorstellen, der uns eigentlich jeden Abend vor dem Übernachten im Auto bewahrt hat. Es ist eine Vereinigung von Hoteliers, die dort ihre Adresse und Zimmerpreise veröffentlicht haben. Wir mussten abends nur die Seite zu dem Ort, an dem wir gerade waren aufschlagen und uns ein passendes Hotel aussuchen. Hinfahren, einchecken, fertig. Hat jeden Abend bis auf einen Samstag ohne Probleme geklappt. Und das in der Hauptsaison, in der ganz Frankreich Urlaub macht.


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Tag 3

Ich bin mir nicht sicher, ob das der Montblanc ist, den wir da morgens nach dem Frühstück gesehen haben. Aber da der Weg das Ziel ist, war uns das relativ egal. Hautsache weiter Pässe. Der Tag hatte ja gerade erst begonnen und sollte vom Höhenprofil her sehr spaßig werden. Erstes Ziel an diesem Tag: der Col du Grand St-Bernard. Das Wetter war nicht so besonders, aber nach der Hitze an den vergangenen Tagen doch sehr willkommen. Nach einem kurzen Fotostop verließen wir nicht nur den Großen Bernhard, sondern auch Frankreich. Weiter ging es jetzt wieder herunter bis Giacosa, im schönen Aosta Tal gelegen. Nach der Hälfte habe ich aufgehört, die Kehren zu zählen, die wir bis ins Tal durchfahren haben. Kurzer Fotostop und schon ging es auf der anderen Seite wieder an der Italienseite des Montblanc-Massivs vorbei hoch zum Piccolo S.Bernardo. Dieser war auch wieder die Grenze zwischen Italien und Frankreich.

Es sollte übrigens nicht das letzte Mal sein, daß wir an diesem Tag die Grenze zwischen Frankreich und Italien passierten. Was jetzt vor uns lag, waren die französischen Seealpen und Val d`Isère. Wohl eher im Winter interessant, oder wenn die Tour de France durchkommt. Sonst eher ein normaler Touristenort in den Bergen. Wir entschlossen uns, anschließend noch eine kleine Schleife zu fahren und verließen über den Col du Mont Cenis mal wieder Frankreich, um ins Tal nach Susa in Italien abzufahren. Also ging es erstmal wieder 1600 Höhenmeter in Kehren nach unten. In Susa wollte mein Porsche unbedingt betankt werden, was nach einer kurzen Suche auch erledigt war. Der aufmerksame Leser und Route des Grandes Alpes Kenner wird hier feststellen, daß wir diese verlassen haben. Aber nur bis zu dem Tagesziel Briancon. In Briacon angekommen, wurde mit Hilfe unseres Hotelführers erstmal ein Hotel gesucht, was wir auch gleich Mitten im Ort fanden und in dem auch noch zwei Zimmer frei waren. Wir buchten gleich für zwei Nächte. Kurz ins Zimmer, Koffer auspacken, Laptop aufbauen und laden, Speicherkarte von der GoPro auslesen, Peter meine Speicherkarte geben, seine auf meinem Laptop sichern, Ladegeräte für die Funkgeräte einstecken, duschen und schon ging es erst mal zu Fuß rauf auf die Festung. Rauf ist leicht untertrieben, der Berg, auf dem die Festung stand, zog sich zu Fuß doch schon arg. Aber oben angekommen, wurden wir für den Fußmarsch entlohnt, es fand ich auch eine Pizzeria, in der wir den Tag ausklingen ließen.


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Tag 4

Frühstück pünktlich um 8 Uhr im Hotel, Motto des Tages: eine Runde um Briancon. Wir wollten den Teil der Route des Grandes Alpes noch fahren, den wir am Vortag ausgelassen hatten. Zuerst über den Col du Lautaret auf den Col du Galibier. Dann nach Alpe d'Huez, weiter Richtung Gap und vorbei am Lac de Serre Poncon wieder nach Briancon. Was ich von dem Tag behalten habe: es war heiß, sehr heiß, die Landschaft traumhaft und das Abendessen, diesmal in einem kleinen Restaurant im Ort, sehr gut. Ich bevorzugte an diesem Abend das typisch französische Abendessen mit Vor-, Haupt-, und Nachspeise. Dazu ein kaltes Bier.


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Tag 5

Der Tag begann wie immer mit Frühstück um 8 Uhr. Anschließend die Abfahrt verpasst zum Col d'Izoard, aber nach anfänglicher Verwirrung ging es fast ohne Verkehr den Pass hinauf. Ein paar Radfahrer waren schon unterwegs, aber an die gewöhnt man sich. Oben angekommen war ich erstmal überwältigt von der Aussicht. Der Stop wurde etwas länger, da wir erst mal die Landschaft, Berge und Straßen fotografieren mussten. Das Tagesziel, welches wir erreichen wollten, war in die Nähe von Monaco zu kommen, was uns aber nicht davon abhielt, einen zweistündigen Abstecher zum Col de la Bonette zu machen. Die Rundumsicht war den Umweg mehr als wert. Wir mußten dann den Weg wieder bis auf die eigentliche Route des Grandes Alpes zurückgefahren, aber wer das auslässt, hat echt was verpasst. Weiter ging es über kleine Pässe Richtung Saint-Martin-Vésubie, wo wir eigentlich übernachten wollten. Es war mittlerweile schon nach 17 Uhr, der Ort total überlaufen und selbst parken unmöglich. Den Umweg hätten wir uns sparen können. So entschlossen wir uns noch weiter bis zum Berg der Berge zu fahren, dem Col de Turini. Dort kamen wir dann am frühen Abend an und nach einer Absage im ersten Hotel bekamen wir im zweiten dann doch noch zwei Zimmer für zwei Nächte. Der Wirt war absolut nett und freundlich, die Zimmer naja. Das Essen war super, jeden Abend drei Gänge, viel und lecker. Sonst gestaltete sich der Abend wie immer, Koffer ins Zimmer, Laptop raus, Karte überspielen und alle Ladegeräte ans Netz.


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Tag 6

Monaco, oder wo man mit seinem Auto nicht hinfahren sollte. Es ist eng, es ist voll und die Rollerfahrer überhohlen mit Vollgas rechts und links die Autoschlangen. Wir waren froh, als wir endlich in einem Parkhaus die Porsche sicher verstaut hatten. Jetzt begann der typische Touri Urlaub. Einmal Hafen, Casino, eine Runde um die Rennstrecke und anschließend zum Museum, das Seeaquarium war wirklich sehenswert. Anschließend noch eine Runde durch die Altstadt und dann mit dem Porsche nichts wie raus aus den Häuserschluchten zu unserem Hotel auf dem Turini. Ich ging zum Abendessen ins Restaurant des Hotels und Peter entschied sich noch einmal im Dunkeln den Col de Turini zu fahren. So hörte ich zwischen Vorspeise und Hauptgang ein lautes RRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRR direkt am Fenster vorbei. Ich meinte zu dem Wirt, daß es wohl mein Kumpel gewesen ist, der noch ein bisschen mit dem Elfer am Berg spielen wollte. Breitgrinsend sagte er auf Englisch irgendwas von verrückt und lachte. Das rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr unterbrach später noch öfter die Ruhe beim Essen. Leider sind die Videoaufnahmen wegen der Dunkelheit nicht so besonders geworden.



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Tag 7

Für den siebten Tag hatten wir uns großes vorgenommen. Den Grand Canyon du Verdon um genau zu sein, einen der größten Canyons in Europa. Aber erstmal runter vom Turini Richtung Nizza, wo wir die ersten Erfahrungen mit dem Bezahlsystem an Frankreichs Mautstellen machten. Wenn man Kleingeld passend hat eigentlich ganz einfach, den Trichter trifft man im Vorbeifahren mit verbundenen Augen. Peter hatte es wohl nicht passend, so dauerte es bei ihm etwas länger und ich musste gefühlte Stunden auf ihn warten. Nach Nizza haben wir die Mautstraße dann Richtung Canyon verlassen und machten noch einen kurzen Stop, um die Urlaubspost einzuwerfen. Es war wieder ein sehr heißer Tag, an dem dann gegen Mittag der Canyon vor uns lag. Die Frage rechts oder links einmal rum war schnell geklärt.

Anhalten für Fotos und Ausweichen wegen entgegenkommenden Wohnmobilen war auf der schmalen Straße eher schwierig. Auf halber Strecke mündet der Canyon in einen riesigen See. Wir hielten aber nur kurz für ein paar Fotos, um auf der anderen Seite des Canyons die Fahrt fortzusetzen.

Das Lustigste an diesem Tag passiert am Ende des Canyons, als wir gerade auf der Brücke standen, um Fotos zu machen. Es stellte sich eine Frau vor den Boxster und ließ sich von ihrem Mann fotografieren. Der Elfer, der direkt dahinterstand, wurde nicht beachtet. Peter redet mir noch heute ein, daß es daran gelegen hat, daß der Boxster ein Mädchenporsche ist. :-)

Unser Tagesziel Digne-les-Bains erreichten wir am frühen Abend. Wo mir etwas passierte, was mich heute noch erfreut. Wir standen auf einem Parkplatz mitten im Ort, um im Hotelführer nach einem Hotel zu suchen. Eigentlich hätten wir ein Parkticket ziehen müssen, worauf wir aber verzichteten, da wir nur kurz halten wollten. Ein Van fuhr von Parkplatz, hielt an, setzte zurück. Ich wunderte mich schon, da stieg ein kleiner Junge aus, kam zu mir und gab mir ein Parkticket, das noch 2 Stunden gültig war. Echt nett und gastfreundlich die Franzosen und das habe ich immer wieder auf der Tour erlebt. Das Hotel, das wir suchten, lag übrigens auf der anderen Straßenseite, was uns ein Franzose schmunzelnd zeigte, als wir ihn danach fragten. Es war ein kleines familienbetriebenes Hotel mit sehr schön eingerichteten Zimmern und sehr gutem Frühstück. An diesem Abend gab es mal wieder Menü in einem Restaurant, das uns der Hotelier empfohlen hatte.


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Tag 8

Uns wurde jetzt irgendwie klar, daß wir jetzt schon auf der Rückfahrt waren. Geplant hatten wir die Route Napoleon. Also ging es nach Sisteron, wo wir einen Tankstop einlegten und uns entschieden wegen der Touristenmassen, weiterzufahren. Weiter ging es an Lavendelfeldern vorbei bis nach Serres. Route Napoleon ist schön, aber wir wollten nochmal in die Berge. Also Routenänderung Richtung Gap und weiter zum Lac de Serre-Poncon. Diesen kannten wir ja schon. Hier sollte ein Hotel gefunden werden. Es war übrigens dieser Samstag, den ich am Anfang schonmal erwähnte. Ganz Frankreich war in den Ferien und scheinbar auf dem Weg zum Lac de Serre-Poncon. Kurz hinter Chorges ging es nur noch im Schneckentempo weiter Richtung See. Am See wurde es nicht besser, sondern eher noch schlimmer. Überall Menschenmassen. Wir haben bei drei Hotels nachgefragt und kein Zimmer war zu bekommen. Es war schon Abend, wir hatten Hunger und am nächsten Tag sollte es nochmal über den Col d'Izoard gehen, bevor wir endgültig die Berge verlassen würden. Kurz vor Briancon entschied sich Peter, die Schnellstraße Richtung Berge zu verlassen. Im ersten Ort an einem Hotel nachgefragt - wieder nichts. Weiter den Berg hinauf in den Ort Puy-Saint-Vincent, der wohl außerhalb der Wintersaison eher verschlafen aussah. Im zweiten Hotel, kurz vor dem Aufgeben, bekamen wir dann noch zwei Zimmer für eine Nacht. Und was das für ein Hotel war. Alles aus Holz, super ausgestattet. Ich hatte einen Balkon mit Blick auf die Berge, Peter musste sich mit einer Terrasse zufrieden geben. Abendessen bestellten wir auch gleich im Hotel eigenen Restaurant. Nach anfänglicher Verwirrung, da der Hotelier nur Französisch sprach und wir eher nicht, wurde seine Tochter eigens zur Übersetzung gerufen und so bestellten wir dann doch. Ich natürlich wieder drei Gänge mit kaltem Bier, Peter einen Auflauf. Das war das beste Abendessen des Urlaubs.


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Tag 9

Das Ende der Reise war nah, aber zuerst ging es nochmal den Col d'Izoard hinauf. Es war ein sonniger Morgen, wir montierten die GoPro mit dem Saugnapf aussen am Porsche und los ging es einmal über den Pass und zurück nach Briancon. Von da aus ging unere Reise über den Col du Galibier, Saint-Jean-de-Maurienne, Albertville, Annency bis nach Genf. In Genf angekommen, hieß es erst mal wieder ein Hotel finden. Wir wollten nicht lange suchen, also entschieden wir uns für ein Ibis Hotel nah am Zentrum. Leider war die Tiefgarage fünf Fußminuten entfernt und fast genauso teuer wie die Nacht im Hotel. Wir hatten wieder einmal Glück, es war Sonntag und in Genf ein Fest mit Imbissbuden und Fahrgeschäften rund um den See. Überall war was los, das Wetter super.


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Tag 10

Heute stand mal nicht das Fahren im Mittelpunkt, sondern das Anschauen. Wir sind nach dem Frühstück auf schnellstem Weg nach Mulhouse gefahren, haben kurz ein Hotel gesucht und dann stand sie vor uns: die Cité de l’Automobile – Musée National. Das größte Automuseum der Welt und Heimat der Collection Schlumpf, der größten Bugattisammlung überhaupt.

Nicht nur Bugattis, sondern Oldtimer aller Jahre sind in diesem riesigen Museum zu sehen. Ein absolutes Muss für jeden Autofan.


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Tag 11

Die Rückfahrt auf der Autobahn verlief ohne große Staus. Insgesamt sind wir 4500 km in 11 Tagen gefahren.

Durchschnittsverbrauch 11 Liter. Und in Wirklichkeit war es noch schöner :-)

Dieses Jahr geht es übrigens nach Schottland, wieder mit Porsche und Peter. Natürlich ohne vorgebuchte Hotels und nur mit grob abgesteckter Route. Ich freu mich schon und würde am liebsten gleich losfahren. Frankreich hat uns auch nicht zum letzten Mal gesehen.

 

Text: S. Fröhlich, Bilder: Peter R.

 
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